Schon immer liebte ich Exzentriker – weil sie sich trauen, anders zu sein, weil sie etwas wagen und sich stets neu erfinden.

 

Einleitung

Schon immer liebte ich Exzentriker – weil sie sich trauen, anders zu sein, weil sie etwas wagen und sich stets neu erfinden.

Antoine und Mourad machen genau das. Deswegen liebe ich sie. Vom ersten Augenblick an, als ich sie vor vielen Jahren im Kölner Nachtleben das erste Mal sah. Hoppla, dachte ich, lebt Leigh Bowery doch noch? Denn Leigh, Ikone des Londoner Clublebens der späten 80iger und frühen 90iger Jahre, hatte ich in seinem Apartment im siebten Stock eines Londoner Hochhauses besucht, um mit ihm dort Aufnahmen für eine Fernsehdokumentation über Selbstdarsteller zu machen. Das war Mitte der 90iger Jahre. Unglücklicherweise starb er kurz danach.

Antoine als Cybersissy wirkte auf mich wie der neu zum Leben erwachte Leigh Bowery. Antoine war eine wahre Ikone des Kölner Nachtlebens und es wird Zeit, daß er denselben Weltruhm erlangt, den lange nach seinem Tod Leigh Bowery erreichen konnte.

Was ich von Cybersissy gesehen hatte, beeindruckte mich, ließ mich nicht mehr los. Aber erst vor zwei Jahren nahm ich mit Antoine Kontakt auf und besuchte ihn in seiner Heimatstadt Tilburg im südlichen Holland. Rasch konnte ich ihn für die Idee begeistern, ein filmisches Portrait über ihn zu machen. Als mir dann auch noch Mourad sein Vertrauen schenkte, war ich glücklich und legte los mit dem Film. Das war im März 2012.

Mourad ist eine so ungewöhnliche Erscheinung, daß immer wieder vor allem Boulevardmedien Interesse zeigten, seine Geschichte zu erzählen. Er entschied jedoch, sich mir anzuvertrauen. Denn wie er sagte, überzeugten ihn meine Fernsehdokumentationen über Leigh Bowery, Gilbert und George, Androgynie und insbesondere auch über Orlan, eine französische Künstlerin, die sich vor laufenden Kameras operieren und unnatürlich verändern liess.

Nun begann eine wunderbare Zeit des Vertrauens. Mit meiner Kamera begleitete die beiden, die ich gerne "meine Cyberstars" nenne, zu ihren internationalen Auftritten. Selten kam das Gefühl auf, wir würden arbeiten, denn wir hatten viel Spaß und lieben das Partyleben.

Wir drei waren ein tolles Team und sind es immer noch. Ein Team, das erweitert wurde von hoch motivierten Freunden und den Kollegen der Crew, und allen anderen Helfern, die diesen Film möglich machten.

Es ist die besondere Wellenlänge, die Antoine, Mourad und mich verbindet. Wir sind geprägt von der Lust auf Transformation und Selbstbestimmung und wissen, dass für uns viel mehr möglich ist, als eine von der Gesellschaft vorgegebene Rolle zu spielen! Wir wollen uns entfalten und über uns hinaus wachsen, in Fabelwesen genauso wie in Selbsterfindungen, die immer wieder neu sind. Nicht zu fassen, nicht eindeutig, sondern immer wieder überraschend.
Nichts anderes tun unsere Helden jeden Tag. Denn Antoine und Mourad sind für mich Helden. Warum, das soll unser Film verraten...

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